01Wer bekommt den Lohn – und wer lebt daneben?

Ich bin in Sibirien aufgewachsen und habe dort den größten Teil meines Lebens verbracht. Als Journalistin in Kisseljowsk filmte ich Kohlenstaub, Sprengungen und brennende Halden. Doch das Leben in einer Kohlestadt besteht nicht nur aus dem, was die Kamera festhält. Da ist auch die Arbeit, von der eine Familie lebt. Das Geld, das reicht oder eben nicht. Eine Krankheit, nach der ein Mensch nicht mehr so arbeiten kann wie früher. Und die Frage: Wohin kann er sich dann wenden?

Wenn vom Nutzen der Kohleindustrie für eine Region die Rede ist, geht es meist um Arbeitsplätze und Löhne. Ich möchte ein anderes Bild danebenstellen: Wie leben die Menschen, wie geht es ihnen, und wie lange leben sie? Dabei interessieren mich die Beschäftigten ebenso wie diejenigen, die noch nie in einem Bergwerk waren. Auch Kinder, Rentner, Verkäuferinnen und Lehrer leben in einer Industriestadt.

Staub breitet sich über die Betriebsgrenzen hinaus aus. Die Löhne erreichen deutlich weniger Menschen. Im Kusbass betrug der durchschnittliche Bruttolohn im Kohlebergbau 2021 monatlich 73.102 Rubel. Der Durchschnitt der Organisationen in der Region lag bei 48.313 Rubel, der russische bei 57.244. Im Kohlebergbau wurde also etwa das Eineinhalbfache des regionalen Durchschnitts gezahlt, während dieser unter dem russischen Wert blieb. [W01; W13]

Branchenlöhne und regionaler Durchschnitt

Durchschnittlicher Bruttolohn

2021 · RUB pro Monat
Kusbass: Kohlebergbau73 102
Kusbass: alle Branchen48 313
Russland: alle Branchen57 244

Beschäftigte von Organisationen; vor Abzügen. Der Branchenwert beruht auf einem Nachdruck von Daten von Kemerowostat.

Quelle: [W01; W13]

In derselben Statistik entfielen auf den Kohlebergbau 99,3 Tausend der insgesamt 1.156,6 Tausend Erwerbstätigen im Kusbass – rund 8,6 %. Auch andere Arbeitsplätze können von der Kohle abhängen: im Transport, bei Reparaturen, im Handel und bei Dienstleistungen. Den Lohn, der in der Statistik unter „Kohlebergbau“ steht, erhält aber nur ein Teil der Beschäftigten. [W01]

Hier setzt diese Untersuchung an. Was geschieht mit der psychischen Gesundheit dort, wo Einkommen, Umwelt und die Zukunft einer Familie eng mit einer einzigen Industrie verbunden sind?

02Warum Kusbass mit der Schweiz und England vergleichen?

Für den Vergleich habe ich nicht nur andere Bergbauregionen ausgewählt. MIR Trade gibt ein Büro im schweizerischen Teufen im Kanton Appenzell Ausserrhoden an. Das Unternehmen handelt mit Kohle, auch aus Russland. Die Adresse wurde am 21. Oktober 2026 überprüft. Die folgenden Gesundheitsdaten beziehen sich auf den gesamten Kanton. Um einzelne Lieferungen aus dem Kusbass zuzuordnen, braucht es die jeweiligen Lieferunterlagen; Grundlage dieses Vergleichs ist der Standort eines Unternehmens, das mit russischer Kohle handelt. [A01]

Zwei weitere Gebiete sind mit Bettercoal verbunden, einem Programm innerhalb von RECOSI, das Kohleunternehmen bewertet und mit ihnen an Verbesserungsplänen arbeitet. Der eingetragene Sitz von RECOSI liegt in Hildenborough im englischen Bezirk Tonbridge and Malling. Als Beschwerdeadresse nennt Bettercoal die Shelton Street im Londoner Bezirk Camden. Die Adressen erfüllen unterschiedliche Funktionen; die Statistiken beziehen sich jeweils auf die gesamten Bezirke. Die Funktion der Adressen wurde am 26. Oktober 2026 überprüft. [A02]

Die Verbindung von Bettercoal zum Kusbass ist dokumentiert: Uniper beschreibt die Teilnahme an einer Reise im September 2019 und den Besuch in Kisseljowsk. So stehen hier Abbaugebiete, ein Handelsstandort und die Adressen einer Organisation nebeneinander, die Unternehmen bewertet hat. Die Geschichte dieser Beziehungen werden wir gesondert untersuchen. Hier interessieren mich die Lebensbedingungen der Menschen in diesen Gebieten. [A03]

Diese Auswahl ermöglicht einen Blick auf verschiedene Orte entlang der Lieferkette der Kohle. Sie ist meine Begründung für den Vergleich, keine Auswahl von Kontrollgebieten mit gleicher Bevölkerungsstruktur. Deshalb stelle ich jedem Gebiet den jeweiligen Landeswert gegenüber. Unterschiede in Alter, Einkommen, medizinischer Versorgung und anderen Lebensbedingungen gehören zum Gesamtbild.

03Was genau vergleichen wir?

Die regionalen Zeitreihen sind auf 2017–2021 begrenzt: Für den russischen Vergleich wurde vorab der Zeitraum vor dem Krieg gewählt. Er umfasst sowohl Jahre vor der Pandemie als auch die schwierigen Jahre 2020–2021. Die wissenschaftlichen Arbeiten beziehen sich auch auf andere Zeiträume. Erhebungs- oder Beobachtungszeiträume sind dort angegeben, wo sie sich feststellen ließen; die übrigen Fälle sind gesondert gekennzeichnet. Das Erscheinungsjahr wird ausdrücklich als solches bezeichnet.

Der Artikel führt zwei Arten von Informationen zusammen. Die erste sind Untersuchungen von Menschen: Bergwerksbeschäftigten, Patienten, Einwohnern von Landkreisen und Kindern. Sie helfen, Zusammenhänge zwischen Lebensbedingungen und bestimmten Symptomen zu erkennen. Die zweite sind Statistiken für ganze Gebiete: Einkommen, Armut, Sterblichkeit und Lebenserwartung. Sie beschreiben die Bedingungen, unter denen die Bevölkerung lebt.

Depressive Symptome in einem Fragebogen, eine Diagnose in einem medizinischen Register, Angst, schlechter Schlaf und Tod durch Suizid sind unterschiedliche Messgrößen. Ein Fragebogen kann Menschen mit ausgeprägten Symptomen erfassen. Diagnosen und ihre Erfassung hängen auch davon ab, ob Menschen Hilfe suchen und Zugang zu ihr haben. Prozentwerte lassen sich nur bei gleichen Fragen, Altersgruppen und Zeiträumen vergleichen.

Deshalb gibt es hier keine weltweite Rangliste der „depressivsten Kohleregionen“. Es gibt überprüfbare Ergebnisse für konkrete Gruppen. Sie machen wiederkehrende Probleme ebenso sichtbar wie Unterschiede zwischen den Gebieten.

04Gute Löhne – für wen?

Höhere Löhne im Kohlebergbau finden sich in mehreren Ländern. In den USA lag der durchschnittliche Stundenlohn im Mai 2021 im Kohlebergbau bei 34,78 US-Dollar, über alle Branchen hinweg bei 28,01. Der Median betrug 30 gegenüber 22 US-Dollar. Der Median teilt die Beschäftigten in zwei Hälften: Die eine verdient weniger, die andere mehr. Sehr hohe Verdienste einer kleinen Gruppe beeinflussen ihn weniger stark. [W03; W04]

USA: Mittelwert und Median des Stundenlohns

USA: durchschnittlicher Stundenlohn

Mai 2021 · USD pro Stunde
Kohlebergbau34,78
Alle Branchen28,01

Alle Berufe; ohne Selbstständige.

Quelle: [W03; W04]

USA: Median des Stundenlohns

Mai 2021 · USD pro Stunde
Kohlebergbau30
Alle Branchen22

Median, getrennt vom arithmetischen Mittel dargestellt.

Quelle: [W03; W04]

In Polen betrug der durchschnittliche Bruttomonatslohn im Stein- und Braunkohlebergbau 2021 insgesamt 9.374,77 Złoty. Im Unternehmenssektor insgesamt waren es 5.889,84. Der Unterschied lag bei rund 59 %. Verglichen wird hier ausdrücklich mit dem Unternehmenssektor in seiner statistisch festgelegten Abgrenzung. [W11]

Polen: Kohlebergbau und Unternehmenssektor

Polen: durchschnittlicher Bruttolohn

2021 · PLN pro Monat
Stein- und Braunkohle9 374,77
Unternehmenssektor5 889,84

Unternehmenssektor nach GUS-Definition, nicht die gesamte Wirtschaft.

Quelle: [W11]

In der Mongolei lag der Durchschnittslohn im gesamten Bergbau 2021 bei 2.997,8 Tausend Tögrög gegenüber 1.279,4 Tausend über alle Branchen hinweg. Für alle statistisch erfassten Beschäftigten des Aimags Ömnögovi lag der Durchschnitt dagegen bei 1.264,3 Tausend – etwas unter dem Landeswert. Die Kategorie Bergbau umfasst auch Kupfer und andere Rohstoffe. [W12]

Hohe Branchenlöhne und Verdienste in einer Provinz

Mongolei: Branche und Provinz

2021 · Tausend Tögrög pro Monat
Gesamter Bergbau landesweit2 997,8
Alle Branchen landesweit1 279,4
Alle Branchen in Ömnögovi1 264,3

Mittelwert; Beschäftigte registrierter Unternehmen. Bergbau umfasst auch Kupfer und andere Rohstoffe.

Quelle: [W12]

Die australische Statistik zeigt einen ähnlichen Verdienstvorsprung der Branche: Im November 2021 betrug der reguläre Wochenverdienst erwachsener Vollzeitbeschäftigter im gesamten Bergbau 2.656,30 australische Dollar gegenüber 1.748,40 über alle Branchen hinweg. In China war der Vorsprung des gesamten Bergbaus in städtischen Organisationen außerhalb des Privatsektors hingegen gering: 108.467 Yuan im Jahr gegenüber 106.837. Im Privatsektor lag der Bergbau etwas unter dem Gesamtdurchschnitt. Welche Wirtschaftszweige und Beschäftigten erfasst werden, ist dabei wesentlich. [W05; W06; W07]

Australien und China: weitere Verdienstvergleiche

Messgröße und ZeitraumBergbauAlle BranchenEinheitAbgrenzung und Quelle
Australien: regulärer WochenverdienstNovember 20212 656,31 748,4AUD pro WocheMittelwert; erwachsene Vollzeitbeschäftigte; ohne Überstunden. [W05]
China: städtische Organisationen außerhalb des Privatsektors2021108 467106 837CNY pro JahrMittelwert; gesamter Bergbau. [W06]
China: Privatsektor202162 66562 884CNY pro JahrMittelwert; eigene statistische Abgrenzung. [W07]

Für Südafrika weist die Branchenreihe 2021 einen Jahresverdienst von 336.973 Rand je Beschäftigten im Kohlebergbau aus. Ein vergleichbarer Landeswert für ein ganzes Jahr mit derselben Abgrenzung lag für diesen Vergleich nicht vor; ein prozentualer Verdienstvorsprung wurde daher nicht berechnet. [W09]

Und was kommt bei der Bevölkerung insgesamt an? Im Kusbass betrug das monatliche Geldeinkommen je Einwohner 2021 durchschnittlich 28.289 Rubel, in Russland insgesamt 40.040. Unterhalb der Armutsgrenze lebten 12,5 % der Einwohner der Region und 11 % der Landesbevölkerung. Diese Werte beschreiben Einkommen und Lebensverhältnisse der Haushalte, einschließlich Kindern, Rentnern und Menschen ohne Erwerbsarbeit. [M037; M038]

Einkommen und Armut: Kusbass und Russland

Geldeinkommen pro Kopf

2021 · RUB pro Monat
Kusbass28 289
Russland40 040

Alle Einwohner einschließlich Kindern und Nichterwerbstätigen; keine Lohnangabe.

Quelle: [M037]

Unterhalb der nationalen Armutsgrenze

2021 · % der Bevölkerung
Kusbass12,5
Russland11
Quelle: [M038]

Ömnögovi in der Mongolei hatte dagegen eine niedrigere Armutsquote: 16,4 % im Jahr 2020 gegenüber 27,8 % landesweit. Dort wird neben Kohle auch Kupfer abgebaut. In den Appalachen gingen höhere Verdienste je Arbeitsplatz in Kohlelandkreisen hingegen mit etwas höherer Armut einher als in den Landkreisen der Region ohne Kohlebergbau. [M034; M019]

Armut: Provinz Ömnögovi und Mongolei

Unterhalb der nationalen Armutsgrenze

2020 · % der Bevölkerung
Ömnögovi16,4
Mongolei27,8

Nationale Erhebung der Mongolei; keine gemeinsame internationale Armutsgrenze.

Quelle: [M034]

Die Antwort auf die Frage „Sind Kohleregionen wohlhabender?“ fällt somit konkret aus: Bestimmte Arbeitsplätze werden tatsächlich besser bezahlt. Was das für die Bevölkerung bedeutet, hängt davon ab, wie viele Menschen solche Stellen haben, was die anderen verdienen und welche Ausgaben die Familien tragen.

05Mehr Geld – weniger Depression?

An einer Untersuchung in sechs untertägigen Kohlebergwerken im Nordosten Chinas im Juli–August 2013 nahmen 1.936 Männer teil. 62,8 % erreichten den CES-D-Schwellenwert für depressive Symptome. Das ist das Ergebnis eines Screenings der untersuchten Gruppe. [M010]

In derselben Studie war ein höherer Verdienst mit weniger stark ausgeprägten depressiven Symptomen verbunden, auch nach Berücksichtigung von Alter, familiären Umständen, chronischen Erkrankungen, Arbeitszeit und psychosozialen Bedingungen. In der höchsten Einkommensgruppe lag der mittlere Wert bei 18,59 Punkten, in den beiden niedrigeren Gruppen bei 20,23 und 20,37. Neben der Bezahlung untersuchten die Forschenden das Ungleichgewicht zwischen Anstrengung und Belohnung sowie Konflikte zwischen Arbeit und Familie. [M010]

Depressive Symptome und Verdienst in einer Stichprobe

Mittlerer CES-D-Wert nach Monatseinkommen

Juli–August 2013 · CES-D-Punkte
Bis einschließlich 3.000 CNY20,23
3.001–5.000 CNY20,37
Über 5.000 CNY18,59

1.936 Männer in sechs untertägigen Kohlebergwerken. Mittlere Punktwerte, keine Anteile mit einer Diagnose.

Quelle: [M010]

Eine andere chinesische Studie untersuchte im August–September 2022 insgesamt 1.027 Beschäftigte eines Betriebs in Shanxi. Sie verwendete das Familieneinkommen und die kürzere Skala CESD-10. Im Modell zum Überschreiten der Symptomschwelle blieben die Unterschiede zwischen den Einkommensgruppen unsicher. Bei der Analyse der Punktwerte selbst lagen die beiden besser gestellten Gruppen höher. Die beiden Studien beschreiben unterschiedliche Stichproben und bilden keine Zeitreihe. [N01]

In der Shanxi-Studie zeigten sich andere deutliche Zusammenhänge: Erfahrungen mit Unfällen – selbst erlebt oder bei Verwandten und Freunden –, eine Berufskrankheit und weniger als sieben Stunden Schlaf. Die adjustierten Odds Ratios für depressive Symptome betrugen 1,72 (95-%-Konfidenzintervall 1,25–2,38), 3,36 (1,25–9,23) und 1,71 (1,25–2,36). Die Gruppe mit einer Berufskrankheit war klein: 21 Personen. Ein Odds Ratio beschreibt einen statistischen Zusammenhang und ist nicht dasselbe wie ein Verhältnis von Wahrscheinlichkeiten. [N01]

In der russischen ESSE-RF-Studie aus zehn Regionen war auch eine sehr niedrige Selbsteinschätzung der materiellen Lage mit depressiven Symptomen verbunden: Das adjustierte Odds Ratio gegenüber der gut gestellten Gruppe betrug 2,20 (1,76–2,75). Dieses Ergebnis bezieht sich auf die zusammengefasste Stichprobe, nicht gesondert auf den Kusbass. [N02]

Geld ist wichtig. Aber auch Gesundheit, Schlaf, familiäre Beziehungen, die Angst vor Einkommensverlust und die Arbeitsbedingungen selbst. Ein gut bezahlter Arbeitsplatz kann zugleich einer sein, den man zu verlieren fürchtet.

06Beschäftigte: Arbeitsplatzunsicherheit, Schlaf und Unterstützung

In Australien wurden 2013–2015 insgesamt 1.457 Beschäftigte von acht Kohlebetrieben untersucht. Eine stärkere psychische Belastung auf der K10-Skala hing mit Unzufriedenheit am Arbeitsplatz, Angst vor Arbeitsplatzverlust, dem Verbleib im Betrieb aus finanziellen Gründen und geringer wahrgenommener Unterstützung durch den Arbeitgeber zusammen. Nach Adjustierung waren die Unterschiede nach Abbaumethode, Schichtlänge und Fly-in-fly-out-Arbeit weniger eindeutig. [M002]

Dieses Ergebnis betrifft die Bedingungen am Arbeitsplatz: Wie sicher fühlt sich ein Mensch mit Blick auf seine Zukunft, und kann er mit Unterstützung rechnen? Die Höhe des Lohns allein sagt darüber wenig aus.

Eine mongolische Erhebung im Oktober 2023 stellte bei 178 von 329 Beschäftigten eines Kohleunternehmens eine schlechte Schlafqualität fest – bei 54,1 %. Unter den Beschäftigten im Tagesdienst lag der Anteil bei 51,2 %, unter den Schichtbeschäftigten bei 56 %; der Unterschied war statistisch nicht signifikant. Innerhalb der Schichtgruppe ging mäßiger oder hoher Stress mit höheren Chancen für schlechten Schlaf einher: adjustiertes Odds Ratio 2,67 (1,27–5,63). [M011]

Schlechter Schlaf bei Beschäftigten eines Kohleunternehmens

PSQI-Schwellenwert für schlechten Schlaf

Oktober 2023 · % der Teilnehmenden
Tagesdienst: 66 von 12951,2
Schichtdienst: 112 von 20056

329 Beschäftigte; der Gruppenunterschied war statistisch nicht signifikant (p=0,390).

Quelle: [M011]

Eine 2019 veröffentlichte polnische Studie umfasste 483 Bergwerksbeschäftigte; der Erhebungszeitraum ließ sich nicht feststellen. Der Vergleich fiel hier anders aus: Der Stress war geringer, die Selbsteinschätzungen von Gesundheit und Funktionsfähigkeit besser als in den anderen untersuchten Schwerindustrien. Innerhalb der Bergbaugruppe ging stärkerer Stress jedoch mit schlechteren Bewertungen einher. Der Anteil der Beschäftigten speziell im Kohlebergbau wurde nicht angegeben; der Vergleich betrifft den Bergbau insgesamt. [M017]

Gemeinsam ist diesen Studien der Blick auf die Arbeitsorganisation und das Befinden der Menschen. Die Ergebnisse unterscheiden sich, und das ist hilfreich: Es lenkt die Suche auf konkrete Bedingungen, statt allen Beschäftigten einer Branche dasselbe Befinden zuzuschreiben.

07Die Krankheit endet nicht mit der Arbeit

In einer Lungenklinik in Virginia wurden vom 1. Juli 2018 bis zum 28. April 2020 aktive und ehemalige Beschäftigte des Kohlebergbaus untersucht. Das Medianalter der Patienten lag bei 66 Jahren. Von den Teilnehmenden mit ausgefülltem PHQ-9 erreichten 883 von 2.364 Personen – 37,4 % – den Schwellenwert für ausgeprägte depressive Symptome. Die Frage nach Gedanken an Tod oder Selbstverletzung bejahten 295 von 2.599 Personen – 11,4 %. Die unterschiedlichen Nenner hängen damit zusammen, welche Fragen beantwortet wurden. [M023]

Diese Menschen suchten medizinische Hilfe; viele waren bereits im höheren Lebensalter. Das Ergebnis zeigt den Bedarf an psychischer Unterstützung neben der Behandlung von Lungenerkrankungen. Für den einzelnen Menschen kann eine Berufskrankheit bedeuten, dass sich der Alltag verändert, Möglichkeiten eingeschränkt werden und eine lange Behandlung nötig ist.

Eine eigene Aufgabe ist die Unterstützung bei Betriebsschließungen. Eine 1995 veröffentlichte britische Untersuchung fand bei Beschäftigten eines von der Schließung bedrohten Bergwerks schlechtere Werte des psychischen Befindens und häufigere Angaben zum Alkoholkonsum. Der Erhebungszeitraum ist im verfügbaren Abstract nicht genannt. Eine US-amerikanische Analyse von Landkreisen für 2000–2016 bringt den Rückgang der Beschäftigung im Kohlebergbau mit einer Verschlechterung bestimmter Sterblichkeitsmaße in Verbindung, besonders dort, wo die Abhängigkeit von der Branche groß war. [M004; M020]

Über einen längeren Zeitraum verringerte sich in ehemaligen Kohlerevieren Englands und Wales der Abstand bei der Sterblichkeit zu passend ausgewählten Vergleichsgebieten zwischen 1981 und 2019. Die ersten Jahre nach Arbeitsplatzverlusten und die folgenden Jahrzehnte einer Region sind unterschiedliche Phasen. Einkommen, Umschulung, medizinische Versorgung und Zugang zu neuen Arbeitsplätzen brauchen die Menschen während des Übergangs – nicht nur als Versprechen für die Zukunft. [B028]

08Anwohner: Kohle im Leben der Menschen, die nicht in der Branche arbeiten

In den zentralen Appalachen verglichen Forschende Daten von 8.591 erwachsenen Einwohnern aus dem Jahr 2006. In Landkreisen mit Kohleabbau durch Abtragen von Berggipfeln erreichten 16,8 % den PHQ-8-Schwellenwert für depressive Symptome, in Landkreisen ohne Bergbau 10 %. Nach Adjustierung für Einkommen, Bildung, Erwerbstätigkeit und weitere Merkmale lag das Odds Ratio bei 1,40 (1,15–1,71). Für Landkreise mit anderen Abbaumethoden betrug es 1,22 (0,99–1,50). Das zuletzt genannte Intervall schließt 1 ein – den Wert für gleiche Chancen. [M001]

Depressive Symptome bei Einwohnern der Appalachen

PHQ-8-Schwelle ≥10

2006 · % der befragten Erwachsenen
Landkreise mit Abtragen von Berggipfeln16,8
Landkreise ohne Bergbau10

8.591 Studienteilnehmende. Exposition nach Landkreis zugeordnet; Symptomscreening.

Quelle: [M001]

Untersucht wurden Einwohner der Landkreise, nicht nur Beschäftigte der Unternehmen. Die Exposition wurde anhand des Wohngebiets zugeordnet; individuelle Schadstoffbelastung und berufliche Zugehörigkeit wurden nicht gesondert erfasst. Die Studie eröffnet einen Blick auf die psychische Gesundheit der Bevölkerung in einer industriell veränderten Umwelt.

Luftuntersuchungen zeigen, dass sich die Ausbreitung von Partikeln nicht an Betriebsgrenzen hält. Im australischen Upper Hunter identifizierte eine PM2,5-Analyse in zwei Orten einen gemischten Bodenfaktor, zu dessen möglichen Quellen Boden- und Kohlenstaub gehörten. Im Lower Hunter umfasste das Messnetz sowohl Wohngebiete als auch Hafenstandorte. In der Atemluft der Einwohner treffen mehrere Quellen zusammen; gemessen werden muss dort, wo die Menschen tatsächlich leben. [D01; D02]

Ein südafrikanischer Bericht von 2024 beschreibt eine Befragung von 400 Haushalten in Phola; der Erhebungszeitraum ließ sich nicht feststellen. Befragte aus 370 Haushalten sahen psychische Probleme als ein Problem ihrer Gemeinschaft an. Das erfasst die Wahrnehmung der Einwohner, nicht 370 ärztliche Diagnosen. In Phola liegen Kohleabbau und Kraftwerke nebeneinander. Der Bericht zeigt, mit welchen Anliegen Menschen an Forschende und zivilgesellschaftliche Organisationen herantreten. [M014]

In Mosambik schildern Interviews aus dem Jahr 2012 mit Familien, die 2009–2011 für den Kohleabbau umgesiedelt wurden, den Verlust geeigneter Flächen sowie Schwierigkeiten mit Wasser, Märkten und Ernährung. Es verändert sich mehr als die Wohnadresse. Auch die Möglichkeiten, eine Familie zu ernähren, und vertraute soziale Beziehungen verändern sich. Der Bericht zählte keine psychiatrischen Diagnosen, sondern dokumentiert die Lebensbedingungen nach der Umsiedlung. [M035]

Bei Beschäftigten und Anwohnern kehren Stress, depressive Symptome und die Abhängigkeit von Umständen wieder, die sich allein nur schwer ändern lassen. Am Arbeitsplatz geht es um Beschäftigung, Arbeitsbelastung, Krankheit und Unterstützung. Im Wohnort um die Umwelt, Umsiedlungen, die Mittel der Familie und den Zugang zu Hilfe.

09Was wir über den Kusbass wissen

Lokale Erhebungen liefern nicht nur ungünstige Ergebnisse. In der 2014 veröffentlichten ESSE-RF-Studie umfasste die Kemerowo-Stichprobe 1.616 Menschen im Alter von 25–64 Jahren. 16,7 % erreichten mindestens 8 Punkte auf der HADS-D-Skala, 5 % mindestens 11 Punkte. In der zusammengefassten Stichprobe aus zehn Regionen lagen die Anteile bei 25,6 % und 8,8 %. Die Kemerowo-Stichprobe hatte unter diesen zehn regionalen Stichproben den niedrigsten Anteil mit entsprechenden Symptomen. [N02]

Die Kemerowo-Stichprobe und zehn ESSE-RF-Regionen

HADS-D-Schwelle ≥8

Veröffentlicht 2014; Erhebungszeitraum nicht festgestellt · % der Teilnehmenden von 25–64 Jahren
Kemerowo-Stichprobe16,7
Zusammengefasste Stichprobe aus zehn Regionen25,6

Kemerowo: n=1.616. Die zusammengefasste Stichprobe schließt Kemerowo ein.

Quelle: [N02]

HADS-D-Schwelle ≥11

Veröffentlicht 2014; Erhebungszeitraum nicht festgestellt · % der Teilnehmenden von 25–64 Jahren
Kemerowo-Stichprobe5
Zusammengefasste Stichprobe aus zehn Regionen8,8

Höhere Schwelle desselben Fragebogens, kein separates Diagnoseregister.

Quelle: [N02]

Das ist ein wichtiges Ergebnis, das ich neben den beunruhigenden Sterblichkeitszahlen stehen lasse. Es beschreibt eine konkrete Erhebung unter Erwachsenen, nicht den gesamten Zeitraum 2017–2021. Eine vergleichbare regionale Zeitreihe zur Depression für diese fünf Jahre ließ sich für diesen Artikel nicht beschaffen.

Es gibt auch Berichte der örtlichen Ärzte. Fachleute des psychoneurologischen Dispensariums in Kisseljowsk beschrieben in einem Sammelband von 2021 neun Patienten mit depressiven Störungen. Nach umfassender Behandlung zeigte sich bei sieben eine deutliche Besserung. Es handelt sich um eine kleine klinische Fallserie ohne angegebene Kontrollgruppe oder Rekrutierungszeitraum. Ihr Wert liegt in der konkreten Erfahrung mit der Unterstützung von Menschen in der Stadt. [N03]

Derselbe Sammelband beschreibt, wie die Pandemie die psychiatrische Versorgung im Kusbass veränderte: Geplante stationäre Aufnahmen und Teile der Rehabilitation wurden ausgesetzt, die Versorgung verlagerte sich in den ambulanten Bereich. Die Zahl registrierter Behandlungsanlässe hängt deshalb auch davon ab, wie die Versorgung im jeweiligen Zeitraum arbeitete. [N03]

10Kinder: Entwicklung, Verhalten und familiäre Lebensbedingungen

Ergebnisse zu Kindern müssen getrennt von denen zu Erwachsenen gelesen werden. In einer 2021 veröffentlichten Studie mit 778 Kindern aus einer brasilianischen Kohleregion unterschieden sich die Ergebnisse des Raven-Tests zwischen direkt und indirekt vom Industriekomplex beeinflussten Gebieten nicht statistisch signifikant. Mit den Ergebnissen verbunden waren die Bildung der Mutter, das Geburtsgewicht und familiäre Merkmale. Verfügbar ist der Abstract der Veröffentlichung; der Erhebungszeitraum lässt sich daraus nicht bestimmen. [M003]

In der Mongolei wurden bei 241 Kindern im Alter von 4–7 Jahren aus Nalaikh und Sharyn Gol Blutbleiwerte und Ergebnisse des Verhaltensfragebogens SDQ verglichen. Der Abstract der Veröffentlichung von 2021 berichtet Zusammenhänge mit prosozialem Verhalten und Hyperaktivität, ohne Effektgrößen oder Konfidenzintervalle; der Erhebungszeitraum ist nicht bekannt. Eine andere Untersuchung vom Juli 2017 in der Südgobi fand höhere Blutbleiwerte im Kleinbergbaugebiet Bayandalai als im Kohleabbaugebiet Tsogttsetsii. Die örtlichen Belastungsquellen unterscheiden sich. [M012; M013]

Im Kusbass wurde die amtliche Erfassung psychischer und Verhaltensstörungen bei Jugendlichen im Alter von 15–17 Jahren anhand der Daten von 2005–2013 untersucht. Im Jahr 2013 lag der Wert für die Region Kemerowo bei 11.976 je 100.000 Jugendliche dieses Alters, für Russland bei 6.500,7. In der Tabelle der Autoren lag die Region sowohl 2005 als auch 2013 landesweit auf Platz drei. Es handelt sich um eine breite Gruppe von Störungen; Depressionen werden in diesen Zahlen nicht gesondert ausgewiesen. [N04]

Psychische Störungen bei Jugendlichen: ein historischer Ausschnitt

Gesamte registrierte Morbidität

2013 · je 100.000 Jugendliche von 15–17 Jahren
Region Kemerowo11 976
Russland6 500,7

Psychische und Verhaltensstörungen bilden eine breite Gruppe, nicht nur Depressionen.

Quelle: [N04]

Es gibt auch jüngeres klinisches Material: Unter 145 Kindern und Jugendlichen, die im ersten Quartal 2021 in einer Abteilung des Klinischen Psychiatrischen Krankenhauses des Kusbass behandelt wurden, beschrieben die Autoren 17 Jugendliche mit Selbstverletzungen – 12 Mädchen und 5 Jungen. Das waren Patienten dieser Abteilung. Ab 2021 änderte sich zudem die Alterszusammensetzung der aufgenommenen Patienten, was für Vergleiche mit früheren Jahren wesentlich ist. [N03]

Bei Kindern kommt es auf die tatsächlich gemessenen Schwierigkeiten an: Aufmerksamkeit, Schlaf, Entwicklung, Selbstverletzungen und familiäre Stabilität. Ein Kind als „unterentwickelt“ oder Einwohner als „aggressiv“ zu bezeichnen, ersetzt eine Forschungsfrage durch ein Etikett. Die untersuchten Arbeiten enthalten konkrete Tests und Beobachtungen, aber keine Gesamtbewertung aggressiven Verhaltens der Bevölkerung von Kohleregionen.

11Suizide: fünf Jahre im Kusbass

Die Suizidsterblichkeit ist eine eigenständige Messgröße. Sie ist nicht mit der Häufigkeit von Depressionen gleichzusetzen: Beide beschreiben unterschiedliche Aspekte der Gesundheit.

Die registrierte Rate im Kusbass lag in allen fünf ausgewählten Jahren über dem russischen Wert. Je 100.000 Einwohner: [K119]

JahrKusbassRussland
201725,6113,81
201821,212,4
201922,711,7
202023,711,3
202119,0910,71

Beide Raten lagen am Ende des Zeitraums niedriger als zu Beginn. Der deutliche Abstand zwischen ihnen blieb bestehen. Es handelt sich um rohe Raten für die gesamte Bevölkerung, ohne Anpassung an eine gemeinsame Altersstruktur.

Kusbass und Russland: fünf Jahre

Registrierte Suizidtodesfälle je 100.000 Einwohner. Beide Geschlechter, alle Altersgruppen; rohe Raten.

● Kusbass◆ Russland
3020100
25,6121,222,723,719,0913,8112,411,711,310,71
20172018201920202021

Quelle: [K119]. Die Werte sind nicht altersstandardisiert.

Die russischen Kohleregionen unterscheiden sich erheblich. Im Jahr 2021 wurden in Burjatien 32,93 Todesfälle je 100.000 Einwohner registriert, in Tuwa 21,42, in Chakassien 21,31 und in der Region Rostow 4,56. Ein regionaler Vergleich muss deshalb die Bedingungen des jeweiligen Gebiets berücksichtigen. [K119]

Für Beschäftigte gibt es eigene Kohortenergebnisse. In der Analyse der Kohlebergbaukohorte aus Queensland begann die Beobachtung mit der ersten ärztlichen Untersuchung eines Beschäftigten ab dem 1. Januar 1993 und dauerte bis zu seinem Tod oder bis zum 30. November 2020. Unter Männern in Produktionsberufen wurden 228 Suizidtodesfälle registriert. Das standardisierte Mortalitätsverhältnis betrug gegenüber Australien 123 (108–140), gegenüber Queensland 101 (88–115). Auf dieser Skala bedeutet 100 Gleichheit mit dem erwarteten Wert. Die Wahl eines nationalen oder regionalen Vergleichs verändert das Ergebnis. [B020]

Bei Frauen in Produktionsberufen betrug das adjustierte Mortalitätsverhältnis für Suizid 3,48 (95-%-KI 1,25–9,67) gegenüber den übrigen Frauen derselben Kohorte; registriert wurden 10 Todesfälle. Das breite Intervall spiegelt die geringe Fallzahl wider. Die oben genannte Schätzung für Männer verwendet nationale und regionale Vergleichswerte, die Schätzung für Frauen einen Vergleich innerhalb der Kohorte. [B020]

12Suizide in den Vergleichsgebieten

In Appenzell Ausserrhoden lag die durchschnittliche standardisierte Suizidrate ohne assistierte Suizide für 2017–2021 bei 17,45 je 100.000 Einwohner, in der Schweiz insgesamt bei 11,99. Die Intervalle betrugen 12,71–23,35 und 11,65–12,32. Bei diesem Indikator schneidet der Kanton schlechter ab als das Land insgesamt. [K117]

Suizide: Kanton und Schweiz

Schweiz: standardisierte Rate

2017–2021 · Todesfälle je 100.000 Einwohner, alle Altersgruppen
Appenzell Ausserrhoden17,45
95% KI: 12,71–23,35
Schweiz11,99
95% KI: 11,65–12,32

Beide Geschlechter; ohne assistierte Suizide; Fünfjahresmittel.

Quelle: [K117]

Für Männer im Kanton betrug die Rate 24,94 (16,94–35,40), für Frauen 9,95 (5,41–16,75). Die Schweizer Werte lagen bei 17,68 beziehungsweise 6,29. Es handelt sich um Fünfjahresschätzungen; die geringe örtliche Fallzahl zeigt sich in breiten Intervallen. [K117]

Schweiz: Männer und Frauen

Schweiz — Männer

2017–2021 · je 100.000 Personen des jeweiligen Geschlechts
Appenzell Ausserrhoden24,94
95% KI: 16,94–35,4
Schweiz17,68
95% KI: 17,1–18,27

Standardisierte Rate; alle Altersgruppen; ohne assistierte Suizide.

Quelle: [K117]

Schweiz — Frauen

2017–2021 · je 100.000 Personen des jeweiligen Geschlechts
Schweiz6,29
95% KI: 5,96–6,63
Appenzell Ausserrhoden9,95
95% KI: 5,41–16,75

Standardisierte Rate; alle Altersgruppen; ohne assistierte Suizide.

Quelle: [K117]

In England lag die standardisierte Rate für 2019–2021 bei 11,24 in Camden und 12,37 in Tonbridge and Malling, gegenüber 10,40 für England insgesamt. In diesen drei Jahren wurden dort 55 beziehungsweise 42 Todesfälle registriert. Die Intervalle der örtlichen Schätzungen betrugen 8,36–14,76 und 8,90–16,74; beide schließen den englischen Vergleichswert ein. [E01]

Suizide: zwei Bezirke und England

England: standardisierte Rate

2019–2021 · Todesfälle je 100.000 Einwohner ab 10 Jahren
England10,4
95% KI: 10,23–10,56
Tonbridge and Malling12,37
95% KI: 8,9–16,74
Camden11,24
95% KI: 8,36–14,76

Beide Geschlechter; unklare Absicht ab 15 Jahren eingeschlossen; Registrierungsjahre.

Quelle: [E01; E02]

Die Raten für Männer lagen bei 16,55 in Camden, 19,76 in Tonbridge and Malling und 16,03 in England insgesamt. Für Frauen betrugen sie 6,33, 5,59 und 5,11. In beiden englischen Bezirken und im Schweizer Kanton war die Sterblichkeit der Männer höher als die der Frauen. [E01; K117]

England: Männer und Frauen

England — Männer

2019–2021 · je 100.000 Personen des jeweiligen Geschlechts ab 10 Jahren
England16,03
95% KI: 15,73–16,32
Tonbridge and Malling19,76
95% KI: 13,49–27,94
Camden16,55
95% KI: 11,55–22,89

Standardisierte Rate; Todesursachen und Jahre nach ONS-Definition.

Quelle: [E01; E02]

England — Frauen

2019–2021 · je 100.000 Personen des jeweiligen Geschlechts ab 10 Jahren
England5,11
95% KI: 4,95–5,27
Tonbridge and Malling5,59
95% KI: 2,67–10,29
Camden6,33
95% KI: 3,54–10,4

Standardisierte Rate; Todesursachen und Jahre nach ONS-Definition.

Quelle: [E01; E02]

Zum Verständnis dieser Zahlen ist eine Erläuterung nötig. Die englische Reihe schließt ab 15 Jahren auch Todesfälle mit unklarer Absicht ein und zählt nach dem Registrierungsjahr; grundsätzlich erfasst sie Personen ab 10 Jahren. Die russische Kategorie und die Schweizer Reihe sind anders abgegrenzt. Der Schweizer Indikator schließt assistierte Suizide aus. Deshalb erfolgt der Vergleich in getrennten nationalen Diagrammen: jeweils das Gebiet und sein Land nach der dort geltenden Definition. Aus diesen Raten bilde ich keine gemeinsame internationale Rangliste. [E02; K117; K119]

Suizidsterblichkeit: Gebiete und ihre Vergleichswerte

Bevölkerungswerte, keine Branchenbeschäftigten. Unterschiedliche Zeiträume und Definitionen; keine gemeinsame Rangliste.

Gebiet und geografische EbeneZeitraumJe 100.00095-%-KIGeschlecht und AlterDefinition / RatentypQuelle
Kusbass — Region202119,09—Beide Geschlechter; alle AltersgruppenSuizide; rohe Rate[K119]
Russland — Land202110,71—Beide Geschlechter; alle AltersgruppenSuizide; rohe Rate[K119]
Appenzell Ausserrhoden — Kanton2017–202117,4512,71–23,35Beide Geschlechter; alle AltersgruppenStandardisiert; europäische Bevölkerung 2010 nach Obsan; ohne assistierte Suizide[K117]
Schweiz — Land2017–202111,9911,65–12,32Beide Geschlechter; alle AltersgruppenDieselbe Obsan-Definition[K117]
Camden — Londoner Bezirk2019–202111,248,36–14,76Beide Geschlechter; ab 10 JahrenStandardisiert nach ESP2013; unklare Absicht ab 15 Jahren eingeschlossen; Registrierungsjahre[E01; E02]
Tonbridge and Malling — Bezirk2019–202112,378,90–16,74Beide Geschlechter; ab 10 JahrenDieselbe ONS-Definition[E01; E02]
England — Teil des Vereinigten Königreichs2019–202110,4010,23–10,56Beide Geschlechter; ab 10 JahrenDieselbe ONS-Definition[E01; E02]

Die Schweizer Reihe verwendet Fünfjahresmittel, die englische Dreijahreswerte der Registrierung. Die russischen Werte sind Jahreswerte. Die folgenden Diagramme vergleichen jedes Gebiet nur mit dem eigenen Landeswert.

Der inhaltliche Befund ist dennoch klar: Eine hohe Lebenserwartung und günstigere Ergebnisse in manchen Befragungen können mit einer Suizidrate einhergehen, die über dem Landeswert liegt. Genau dieses Bild zeigt der ausgewählte Schweizer Kanton.

13Wie viele Lebensjahre zeigt die Statistik?

Die Lebenserwartung bei Geburt ist die Zahl der Jahre, die eine hypothetische Generation bei den altersspezifischen Sterberaten des gewählten Zeitraums leben würde. Sie ist weder das Durchschnittsalter der Verstorbenen noch eine Vorhersage für das Leben jedes einzelnen Kindes.

Die jährlichen Schätzungen für 2021 sind im Folgenden dargestellt. Männer und Frauen werden getrennt ausgewiesen; die Quellen sind Rosstat, Obsan und OHID/ONS. [M038; K110; E01]

GebietMänner, JahreFrauen, Jahre
Kusbass62,8072,37
Russland65,5174,51
Appenzell Ausserrhoden80,8286,23
Schweiz81,5585,53
Camden79,4983,85
Tonbridge and Malling80,4884,54
England78,7382,77

Im Jahr 2021 betrug der Abstand zwischen den Werten für Männer im Kusbass und in den ausgewählten ausländischen Gebieten rund 17–18 Jahre, bei Frauen 11–14 Jahre. Das sind Unterschiede zwischen Gebietsschätzungen, in denen sich die Gesamtheit der Lebensbedingungen und der Sterblichkeit widerspiegelt.

Lebenserwartung 2021

Männer

2021 · Lebenserwartung bei Geburt, Jahre
Kusbass62,8
Russland65,51
Appenzell Ausserrhoden80,82
95% KI: 79,47–82,16
Schweiz81,55
95% KI: 81,43–81,67
Camden79,49
95% KI: 78,6–80,38
Tonbridge and Malling80,48
95% KI: 79,53–81,43
England78,73
95% KI: 78,68–78,78

Jährliche Periodenschätzung. Intervalle sind angegeben, soweit veröffentlicht; Unterschiede spiegeln die Gesamtheit der Lebensbedingungen und der Sterblichkeit wider.

Quelle: [M038; K110; E01]

Frauen

2021 · Lebenserwartung bei Geburt, Jahre
Kusbass72,37
Russland74,51
Appenzell Ausserrhoden86,23
95% KI: 85,01–87,45
Schweiz85,53
95% KI: 85,42–85,64
Camden83,85
95% KI: 83–84,71
Tonbridge and Malling84,54
95% KI: 83,59–85,5
England82,77
95% KI: 82,73–82,82

Jährliche Periodenschätzung. Intervalle sind angegeben, soweit veröffentlicht; Unterschiede spiegeln die Gesamtheit der Lebensbedingungen und der Sterblichkeit wider.

Quelle: [M038; K110; E01]

Auch 2019, vor der Pandemie, war der Abstand groß. Bei Männern lag die Lebenserwartung im Kusbass bei 64,32 Jahren, im Kanton bei 81,86, in Camden bei 80,59 und in Tonbridge and Malling bei 80,89. Bei Frauen waren es 75,11; 84,44; 85,19 und 85,57 Jahre. Der Unterschied bestand also schon vor der Pandemie. Die Jahreswerte eines kleinen Kantons schwanken; die Intervalle stehen in der separaten Datei „Сравнение_ОПЖ_2019_2021_V02.csv“ des Tabellenpakets zum Artikel. [M038; K110; E01]

Lebenserwartung vor der Pandemie: 2019

Lebenserwartung bei Geburt, Jahre. Jährliche Schätzung.

GebietMänner, Jahre95-%-KIFrauen, Jahre95-%-KI
Kusbass64,32—75,11—
Russland68,24—78,17—
Appenzell Ausserrhoden81,8680,45–83,2684,4482,83–86,05
Schweiz81,8281,7–81,9485,585,38–85,61
Camden80,5979,6–81,5785,1984,23–86,15
Tonbridge and Malling80,8979,89–81,8985,5784,58–86,56
England79,8779,81–79,9283,5683,51–83,6

Intervalle sind angegeben, soweit veröffentlicht. Quellen: [M038; K110; E01].

Innerhalb der jeweiligen Länder ist das Bild vielfältiger. Im Jahr 2021 hatten Männer im Kanton eine niedrigere Lebenserwartung als Männer in der Schweiz insgesamt, Frauen eine höhere. In Camden und Tonbridge and Malling lagen beide Punktschätzungen über den englischen Werten. Der Kusbass lag bei beiden Geschlechtern unter dem russischen Wert.

Auch andere Bergbauregionen unterscheiden sich. In West Virginia lag die Lebenserwartung 2021 bei 68,1 Jahren für Männer und 74,2 für Frauen, in den USA insgesamt bei 73,5 und 79,3. In der polnischen Woiwodschaft Schlesien waren es 71,3 und 78,9 gegenüber landesweit 71,8 und 79,7. Für Queensland lagen die Werte 2019–2021 bei 80,9 und 85,1, für Australien bei 81,3 und 85,4. [M029; M028; M026]

In Ömnögovi betrug die gemeinsame Schätzung für beide Geschlechter 2021 insgesamt 72,91 Jahre gegenüber 71,01 in der Mongolei. Die verwendete Tabelle enthält für den Aimag keine Aufschlüsselung nach Geschlecht. Für Shanxi wurden für 2020 bei Männern 75,64 und bei Frauen 80,47 Jahre veröffentlicht. Diese Werte beziehen sich auf ganze Verwaltungsgebiete mit all ihren Betrieben und Lebensbedingungen. [M030; M031]

Eine vergleichbare Schätzung der Lebenserwartung für Beschäftigte der Kohleindustrie ließ sich nicht ermitteln: Die hier betrachteten Studien zu ihrer Sterblichkeit verwenden andere Maße. Für Kinder bleiben Säuglingssterblichkeit und Sterblichkeit unter fünf Jahren getrennte Indikatoren. In Ömnögovi lag die Säuglingssterblichkeit 2021 beispielsweise bei 11 je tausend Lebendgeburten, in der Mongolei bei 12; im Jahr 2019 waren es 21 und 13. Ein einzelner Jahreswert für ein kleines Gebiet ersetzt keine Zeitreihe. [M030]

14Der Schweizer Kanton und ein Londoner Bezirk: Wohlbefinden ist nicht gleich verteilt

In der Schweizer Erhebung von 2017 berichteten 10,3 % der befragten Einwohner von Appenzell Ausserrhoden ab 15 Jahren eine mittlere oder hohe psychische Belastung, landesweit waren es 15,1 %. Über emotionale Erschöpfung bei der Arbeit berichteten 13,2 % der Erwerbstätigen im Alter von 15–64 Jahren im Kanton und 19,8 % in der Schweiz. Das sind Befragungswerte, keine Einträge in einem Diagnoseregister. [S01]

Psychische Belastung und Erschöpfung: Kanton und Land

Mittlere / hohe psychische Belastung

SGB 2017 · % der Bevölkerung in Privathaushalten ab 15 Jahren
Appenzell Ausserrhoden10,3
Schweiz15,1
Quelle: [S01]

Emotionale Erschöpfung bei der Arbeit

SGB 2017 · % der Erwerbstätigen von 15–64 Jahren
Appenzell Ausserrhoden13,2
Schweiz19,8

Antworten „trifft eher zu“ und „trifft voll und ganz zu“. Kein Diagnoseregister.

Quelle: [S01]

Die frühere Erhebung von 2012 erlaubt einen Blick auf die Einkommen innerhalb des Kantons. In der Gruppe mit dem niedrigsten Äquivalenzeinkommen des Haushalts lag der Anteil mit mittlerer oder hoher psychischer Belastung bei 16,1 %, in der höchsten Gruppe bei 6,9 %. Die mittleren Gruppen erreichten 10,9 % und 16,3 %: Es ergab sich kein gleichmäßiger Verlauf, und die Intervalle der örtlichen Schätzungen waren breit. Der separate PHQ-9-Indikator für depressive Symptome lag im Kanton bei 2,4 %, in der Schweiz bei 6,5 %. Das ist ein historischer Vergleich innerhalb einer einzigen Erhebung. [S02]

Historischer Ausschnitt: Einkommen und psychische Belastung

Mittlere / hohe Belastung, MHI

SGB 2012 · % der Befragten im Kanton
Bis 2.999 CHF16,1
95% KI: 10–22,2
3 000–4 499 CHF10,9
95% KI: 4,7–17
4 500–5 999 CHF16,3
95% KI: 5,5–27,2
Ab 6.000 CHF6,9
95% KI: 2,2–11,6

Äquivalenzeinkommen des Haushalts. Kleine Untergruppen; nicht adjustierte deskriptive Schätzungen.

Quelle: [S02]

In englischen Hausarztpraxen war 2020/21 bei 9,99 % der registrierten Patienten ab 18 Jahren in Camden eine Depression erfasst, in Tonbridge and Malling bei 13,67 % und in England insgesamt bei 12,29 %. Die Praxen werden anhand ihrer Adresse einem Gebiet zugeordnet. Diese Zahlen beschreiben registrierte Patienten, nicht Ergebnisse derselben Fragebögen wie in der Schweiz. [E01]

Erfasste Depressionen in englischen Hausarztpraxen

Patienten mit erfasster Depression

2020/21 · % der Patienten ab 18 Jahren
England12,29
95% KI: 12,28–12,3
Tonbridge and Malling13,67
95% KI: 13,46–13,87
Camden9,99
95% KI: 9,88–10,11

Praxen nach Adresse zugeordnet. QOF-Erfassung, keine allgemeine Bevölkerungsbefragung.

Quelle: [E01]

In Camden gaben 2020/21 insgesamt 25,77 % der Befragten starke Angst am Vortag an; 13,69 % berichteten eine geringe Lebenszufriedenheit. Die englischen Vergleichswerte lagen bei 24,13 % und 6,07 %. Für Camden waren die Intervalle breit: 18,82–32,73 und 7,18–20,21. Der Befragungszeitraum fiel in die Pandemie. [E01]

Wohlbefinden der Einwohner während der Pandemie

Starke Angst am Vortag

2020/21 · % der Befragten ab 16 Jahren
Camden25,77
95% KI: 18,82–32,73
England24,13
95% KI: 23,71–24,56

Antworten von 6–10 auf einer Skala bis 10; keine Diagnose einer Angststörung.

Quelle: [E01]

Geringe Lebenszufriedenheit

2020/21 · % der Befragten ab 16 Jahren
Camden13,69
95% KI: 7,18–20,21
England6,07
95% KI: 5,83–6,3

Antworten von 0–4 auf einer Skala bis 10; breites Intervall der örtlichen Schätzung.

Quelle: [E01]

Gleichzeitig betrug der Median des Wochenverdienstes der Einwohner von Camden 2021 insgesamt 695 Pfund gegenüber 496,70 in England – rund 40 % mehr. In Tonbridge and Malling waren es 592 Pfund, rund 19 % mehr. Das sind Bruttoverdienste ohne Überstunden für Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigte im PAYE-System. [E01]

Verdienste der Beschäftigten in den englischen Gebieten

Median des Wochenverdienstes der Einwohner

2021 · GBP pro Woche
Camden695
Tonbridge and Malling592
England496,7

Bruttoverdienst ohne Überstunden; Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigte, PAYE.

Quelle: [E01]

Das Leben in Camden ist allerdings teuer. Die monatliche Medianmiete einer Wohnung mit einem Schlafzimmer auf dem privaten Mietmarkt lag 2020/21 bei 1.450 Pfund gegenüber 680 in England – mehr als doppelt so hoch. Im Jahr 2021 hatten 9,5 % der Haushalte in Camden weniger Schlafzimmer, als sie benötigten; in England und Wales waren es 4,3 %. Löhne und Mieten stammen aus unterschiedlichen statistischen Grundgesamtheiten: Aus diesen beiden Medianen lässt sich der Ausgabenanteil einer konkreten Familie nicht bestimmen. [E03]

Hohe Verdienste und teures Wohnen

Private Miete einer Wohnung mit einem Schlafzimmer

2020/21 · GBP pro Monat, Median
Camden1 450
England680

Eigene Grundgesamtheit von Mietverträgen; kein Ausgabenanteil einer bestimmten Familie.

Quelle: [E03]

Haushalte mit zu wenigen Schlafzimmern

2021 · % der Haushalte
Camden9,5
England und Wales4,3

Der Vergleichswert umfasst England und Wales, nicht nur England.

Quelle: [E03]

Nach der vorläufigen DWP-Veröffentlichung für das im Jahr 2021 endende Haushaltsjahr lebten 13,3 % der Kinder unter 16 Jahren in Camden und 12,5 % in Tonbridge and Malling in Familien mit relativ niedrigem Einkommen. Die Schätzung bezieht sich auf das Einkommen vor Abzug der Wohnkosten. Sie bedeutet etwas anderes als der russische Anteil der Gesamtbevölkerung unterhalb der nationalen Armutsgrenze. [E04]

Kinder in Familien mit relativ niedrigem Einkommen

Vor Abzug der Wohnkosten

Im Jahr 2021 endendes Haushaltsjahr · % der Kinder unter 16 Jahren
Camden13,3
Tonbridge and Malling12,5

Vorläufige DWP-Veröffentlichung vom 31. März 2022. Angaben zum Familieneinkommen, keine Zahlen psychisch erkrankter Kinder.

Quelle: [E04]

Ein Gebiet mit hohen Löhnen kann somit zugleich teure Mieten, beengte Wohnverhältnisse und eine erhebliche psychische Belastung bei einem Teil seiner Bevölkerung aufweisen. Ein vergleichbares verbleibendes Einkommen nach notwendigen Ausgaben ließ sich für alle vier Gebiete nicht ermitteln. Verdienste, Armut und Wohnindikatoren werden deshalb getrennt dargestellt.

15Was kehrt in verschiedenen Ländern wieder?

Studien über Beschäftigte kommen immer wieder auf Arbeitsbedingungen, drohenden Arbeitsplatzverlust, Schlaf, chronische Krankheit und Unterstützung zurück. Studien über Einwohner auf Veränderungen ihres Lebensumfelds, die Mittel der Familie, Umsiedlungen und den Zugang zu Hilfe. Diese Lebensumstände überschneiden sich, sind aber nicht identisch.

Mehrere Arbeiten finden einen Zusammenhang zwischen materieller Lage und psychischer Gesundheit. Richtung und Stärke hängen davon ab, was gemessen wird: persönlicher Verdienst oder Familieneinkommen, Symptomwerte oder das Überschreiten einer Schwelle. Für praktische Entscheidungen müssen deshalb Geld, Arbeitsbedingungen, Wohnen, Gesundheit und Zugang zu Hilfe gemeinsam betrachtet werden.

In einer 2018 veröffentlichten Evaluation des Programms MATES in Mining berichteten die Teilnehmenden unmittelbar nach der Schulung über mehr Sicherheit darin, psychische Schwierigkeiten bei Kollegen zu erkennen und ihnen bei der Suche nach Unterstützung zu helfen. Eine gesonderte Befragung etwa zehn Monate später untersuchte Stigmatisierung, Hilfesuche und die wahrgenommene Unterstützung durch den Betrieb. Ein Rückgang der Zahl der Todesfälle wurde in dieser Arbeit nicht untersucht. [M036]

Im ausgewählten Zeitraum vor dem Krieg verband der Kusbass über dem regionalen Durchschnitt liegende Löhne im Kohlebergbau mit niedrigeren Bevölkerungseinkommen und geringerer Lebenserwartung als in Russland insgesamt sowie einer höheren registrierten Suizidsterblichkeit. Eine örtliche historische Erhebung zu depressiven Symptomen fiel dagegen günstiger aus als die zusammengefasste Stichprobe aus zehn Regionen. Beide Seiten dieses Bildes bleiben im Artikel erhalten.

Der Schweizer Kanton zeigt eine andere Kombination: eine hohe Lebenserwartung, bei einigen psychischen Gesundheitsmaßen günstigere Werte im nationalen Vergleich und zugleich eine höhere Suizidrate als das Land insgesamt. Die englischen Bezirke zeigen höhere Verdienste, Unterschiede bei der Erfassung von Depressionen und, in Camden, hohe Wohnkosten.

Mir ist wichtig, all das nicht auf eine einzige Zahl für den „Preis der Kohle“ zu reduzieren. Hinter einem Lohn, einer Diagnose und einer Sterberate stehen unterschiedliche Menschen. Die Kohleindustrie schafft Einkommen, verändert die Umwelt und bindet die Zukunft von Familien an sich. Ihre Rolle im Leben einer Region muss anhand all dieser Folgen beurteilt werden.

Ein gut bezahlter Arbeitsplatz ist wichtig. Ebenso wichtig ist, in seiner Nähe leben, Kinder großziehen, medizinische Versorgung erhalten und Unterstützung finden zu können, wenn man nicht mehr arbeiten kann. Darauf sollte ein Vergleich von Kohleregionen und den Orten hinauslaufen, an denen Organisationen der Kohlelieferkette ihre Adressen haben.

Natalia Zubkova

Zu den Quellen

Grundlage ist eine gezielte Auswertung wissenschaftlicher Veröffentlichungen und amtlicher Daten. Mehrere Veröffentlichungen aus derselben australischen Kohorte werden als ein gemeinsamer Beobachtungsbestand behandelt. Im Text ist angegeben, wenn nur ein Abstract verwendet wurde. Tabellen und Berechnungen stehen getrennt vom Artikel im Paket „Табличный_комплект_к_статье_RU_V02.zip“. Es enthält „Данные_для_графиков_V02.csv“, „Сравнение_ОПЖ_2019_2021_V02.csv“, „Идентификация_исходных_строк_V02.csv“ und „Расчёты_V02.json“. Der russische Forschungsbericht (PDF V04) und die englische Fassung (PDF V02) sind veröffentlicht. Die deutsche Fassung (PDF V03) ist ebenfalls veröffentlicht. Die Angaben in eckigen Klammern führen zum folgenden Quellenverzeichnis.

Zur Vorbereitung des Artikels

Natalia Zubkova — Autorin und investigative Journalistin.

Sergey Nikolaevich Severin — KI-Mitautor, Redakteur und Projektanalyst; ChatGPT / OpenAI.

Viktor Andreevich Svetlov — KI-Forscher; Codex / OpenAI.

Die endgültigen redaktionellen Entscheidungen und die Verantwortung liegen bei Natalia Zubkova.

Quellen

Quellen — vollständige Liste öffnen (53)
  1. [W01] Kemerowostat: Tabellen in der Zeitschrift Ugol Kuzbassa, Mai–Juni 2023

    Fundstelle: PDF-S. 45, gedruckte S. 43; Beschäftigung und Löhne.

  2. [W13] Rosstat. Regionen Russlands 2022 [auf Russisch]

    Fundstelle: Tabelle 4.6, PDF-S. 203–204.

  3. [A01] MIR Trade. About company; Adresse im gespeicherten Gebietsprofil, geprüft am 21. Oktober 2026

    Fundstelle: Gebietsprofil und Unternehmenswebsite.

  4. [A02] RECOSI / Bettercoal. Register, eingetragener Sitz und Beschwerdeadresse; geprüft am 26. Oktober 2026

    Fundstelle: außerdem https://www.bettercoal.org/terms und https://www.bettercoal.org/grievance-mechanism.

  5. [A03] Uniper. The dilemma of investing in social and environmental remediation activities

    Fundstelle: Bericht über die Reise im September 2019 und den Besuch in Kisseljowsk.

  6. [W03] BLS OEWS May 2021, NAICS212100, All occupations

    Fundstelle: Zeile 00-0000; Anmerkung 2.

  7. [W04] BLS OEWS May 2021, National estimates, All occupations

    Fundstelle: Zeile 00-0000.

  8. [W11] GUS Statistical Bulletin 02/2023

    Fundstelle: Tabelle 19, gedruckte S. 59, Zeile 2021 M01-12.

  9. [W12] Mongolian Statistical Yearbook 2021

    Fundstelle: PDF-S. 116, Tabelle 4.19.1; PDF-S. 118, Branchentabelle; PDF-S. 79, Median.

  10. [W05] ABS Average Weekly Earnings, November 2021

    Fundstelle: Branche; erwachsene Vollzeitbeschäftigte, regulärer Verdienst, Originalreihe.

  11. [W06] NBS China: urban non-private units, annual wages 2021

    Fundstelle: Tabelle nach Wirtschaftszweig, Total / Mining.

  12. [W07] NBS China: urban private units, annual wages 2021

    Fundstelle: Tabelle nach Wirtschaftszweig, Total / Mining.

  13. [W09] Minerals Council South Africa. Facts and Figures 2022

    Fundstelle: gedruckte S. 33, Coal employment and earnings.

  14. [M037] Omskstat. Geldeinkommen und Ausgaben der Bevölkerung der Region Omsk. 2021 und zweites Quartal 2022 [auf Russisch].

    Fundstelle: PDF-S. 2.

  15. [M038] Rosstat. Regionen Russlands. Sozioökonomische Indikatoren. 2022 [auf Russisch].

    Fundstelle: Tabelle 2.15, PDF-S. 80–85 (gedruckte S. 79–84); Tabelle 4.20, PDF-S. 241–243.

  16. [M034] National Statistics Office of Mongolia; World Bank. Mongolia Poverty Report 2020. 2022.

    Fundstelle: nationale Ergebnisse; Abbildung 1.22, gedruckte S. 25.

  17. [M019] Bowen E., Christiadi, Deskins J., Lego B. An Overview of Coal and the Economy in Appalachia: Fourth Quarter 2020 Update. ARC, 2021.

    Fundstelle: gedruckte S. 31–34; Abbildungen 26–29.

  18. [M010] Liu L., Wang L., Chen J. Prevalence and Associated Factors of Depressive Symptoms among Chinese Underground Coal Miners. BioMed Research International. 2014:987305. DOI 10.1155/2014/987305

    Fundstelle: Methods; Tabellen 1–4; Discussion.

  19. [N01] Hao J. et al. Associated factors of anxiety and depressive symptoms among coal miners in Shanxi, China: a cross-sectional study. BMC Public Health. 2025;25:2838. DOI 10.1186/s12889-025-24127-8

    Fundstelle: Methods; Tabellen 1–3. Erhebung im August–September 2022.

  20. [N02] Shalnova S.A. et al. Häufigkeit von Angst und Depression in verschiedenen Regionen der Russischen Föderation und ihre Zusammenhänge mit soziodemografischen Faktoren (ESSE-RF-Studie) [Titel aus dem Russischen übersetzt]. Terapevticheskii Arkhiv. 2014;86(12):53–60. DOI 10.17116/terarkh2014861253-60

    Fundstelle: Tabelle 1, gedruckte S. 57; Tabelle 2, S. 58. Ein gesonderter Erhebungszeitraum für die Tabelle mit n=1616 ließ sich nicht feststellen.

  21. [M002] Considine R. et al. The Contribution of Individual, Social and Work Characteristics to Employee Mental Health in a Coal Mining Industry Population. PLoS ONE. 2017;12:e0168445. DOI 10.1371/journal.pone.0168445

    Fundstelle: Results 3.5.4; Tabelle 3; Limitations.

  22. [M011] Nanjid Z. et al. Factors Associated with Sleep Disturbance Among Miners in Mongolia: A Cross-Sectional Study. The Kitakanto Medical Journal. 2025;75:15–22. DOI 10.2974/kmj.75.15

    Fundstelle: Methods; Tabelle 2A; Tabelle 3.

  23. [M017] Mościcka-Teske A., Sadłowska-Wrzesińska J., Najder A., Butlewski M. The relationship between psychosocial risks and occupational functioning among miners. IJOMEH. 2019;32(1):87–98. DOI 10.13075/ijomeh.1896.01162

    Fundstelle: Abstract; Material and Methods, Sample (S. 89–91); Results. Erhebungszeitraum nicht festgestellt.

  24. [M023] Harris D. et al. Characterization of Mental Illness Among US Coal Miners. JAMA Network Open. 2021;4:e2111110. DOI 10.1001/jamanetworkopen.2021.11110

    Fundstelle: Methods — Datenerhebung vom 1. Juli 2018 bis 28. April 2020; Results; Table; Discussion.

  25. [M004] Rowlands P., Huws R. Psychological effects of colliery closures. International Journal of Social Psychiatry. 1995;41:21–25. DOI 10.1177/002076409504100102

    Fundstelle: Abstract.

  26. [M020] Mortality during resource booms and busts. Journal of Environmental Economics and Management. 2022;115:102696. DOI 10.1016/j.jeem.2022.102696

    Fundstelle: Results; Sensitivitätsanalysen; Discussion.

  27. [B028] Shaikh M. The health legacy of coal mining: Analysis of mortality rates over time in England and Wales (1981–2019). SSM—Population Health. 2024;27:101706. DOI 10.1016/j.ssmph.2024.101706

    Fundstelle: Results; Methods.

  28. [M001] Hendryx M., Innes-Wimsatt K.A. Increased Risk of Depression for People Living in Coal Mining Areas of Central Appalachia. Ecopsychology. 2013;5(3):179–187. DOI 10.1089/eco.2013.0029

    Fundstelle: Methods; Results; Tabellen 3–4, gedruckte S. 183–184.

  29. [D01] CSIRO. Upper Hunter Valley Particle Characterization Study, 2013

    Fundstelle: Tabelle 9, gedruckte S. 39; Conclusions; Beobachtungen aus 2012.

  30. [D02] CSIRO/ANSTO/NSW. Lower Hunter Particle Characterisation Study, 2016

    Fundstelle: Executive summary; 1. März 2014–28. Februar 2015.

  31. [M014] Life After Coal et al. Coal’s Health Impacts in Phola. September 2024.

    Fundstelle: Methods; Tabelle 3, PDF-S. 8, gedruckte S. 12–13.

  32. [M035] Human Rights Watch. What is a House without Food? Mozambique’s Coal Mining Boom and Resettlements. 23 May 2013.

    Fundstelle: Methodology; Land; Food; Gender.

  33. [N03] Dritte Kornilow-Lesungen. Klinische und soziobiologische Aspekte affektiver Störungen [Titel aus dem Russischen übersetzt]. Tagungsband, 29. April 2021; herausgegeben von N.A. Bokhan

    Fundstelle: Lisovitskaya et al., S. 103–105; Sinkina und Dits, S. 179–181; Sorokina, S. 182–183.

  34. [M003] Dupont-Soares M. et al. Maternal, neonatal and socio-economic factors associated with intellectual development among children from a coal mining region in Brazil. Environmental Geochemistry and Health. 2021;43:3055–3066. DOI 10.1007/s10653-021-00817-1

    Fundstelle: Abstract.

  35. [M012] Mönkhnaran A., Zoljargal E., Erdenechimeg E. Studies of lead exposure in children aged 4–7 years in relation to their behavioral problems. Health Sciences. 2021;17(8).

    Fundstelle: Abstract.

  36. [M013] Surenbaatar U. et al. Environmental health survey for children residing near mining areas in South Gobi, Mongolia. Annals of Occupational and Environmental Medicine. 2021;33:e10. DOI 10.35371/aoem.2021.33.e10

    Fundstelle: Methods; Results, Konzentrationstabellen.

  37. [N04] Gudinova Zh.V. et al. Vergleichende Merkmale psychischer Störungen bei Jugendlichen ... 2005–2013 [Titel aus dem Russischen übersetzt]. Sovremennye Problemy Nauki i Obrazovaniya. 2015;5

    Fundstelle: Methods; Results, PDF-S. 3; Tabelle 1, PDF-S. 5.

  38. [K119] Rosstat/EMISS. Indikator 31270: Todesfälle nach Ursache je 100000 Einwohner. Gespeicherter Auszug.

    Fundstelle: Ursachencode 249; alle Siedlungen; Werte für 2017–2021.

  39. [B020] Glass D.C. et al. Are mortality rates similar between jobs in the Queensland coal mine workers’ cohort?. BMC Public Health. 2025. DOI 10.1186/s12889-025-24163-4

    Fundstelle: Methods → Study cohort — Personenjahre ab der ersten Untersuchung ab dem 1. Januar 1993 bis zum Tod/30. November 2020; Tabelle 4 — Frauen im Vergleich zu den übrigen Frauen der Kohorte; Results und Tabelle 3 — 10 Todesfälle bei Frauen in Produktionsberufen; Tabelle 5 — Männerwerte.

  40. [K117] Obsan/BFS. Suizid und Suizidhilfe; Fünfjahresschätzungen nach Kanton

    Fundstelle: API https://ind.obsan.admin.ch/api/_010/kg/json; category_id=1, kanton_nr=0,15; year=2017-21; sex_id=0,1,2.

  41. [E01] OHID. Public Health Profiles / Fingertips. Ausgangsdaten von ONS, NHS und weiteren Stellen

    Fundstelle: Indikatoren 93351, 92313, 848, 22304, 22301, 41001, 90366; genaue Felder und Zeilen in den Begleittabellen.

  42. [E02] ONS. Suicides in England and Wales: 2021 registrations. 06.09.2022

    Fundstelle: Definition, Registrierungsjahre, Änderung des Beweismaßstabs im Juli 2018.

  43. [K110] Obsan/BFS. Lebenserwartung bei Geburt nach Kanton

    Fundstelle: category_id=1; kanton_nr=0,15; year=2019,2021; sex_id=1,2.

  44. [M029] Arias E. et al. U.S. State Life Tables, 2021. National Vital Statistics Reports. 2024;73(7).

    Fundstelle: Tabelle A, PDF-S. 3.

  45. [M028] Statistics Poland (GUS). Trwanie życia w 2021 r. 2022.

    Fundstelle: Tabelle 3, gedruckte S. 15.

  46. [M026] Australian Bureau of Statistics. Life expectancy, 2019–2021. Released 8 November 2022.

    Fundstelle: Lebenserwartung nach Bundesstaat und Territorium.

  47. [M030] National Statistics Office of Mongolia. Mongolian Statistical Yearbook 2021.

    Fundstelle: Tabellen 3.30–3.31, PDF-S. 68; Tabellen 8.13–8.14, PDF-S. 239.

  48. [M031] Statistischer Dienst von Shanxi; Veröffentlichung der Verwaltung von Lüliang. 10. Juni 2022.

    Fundstelle: Haupttext der Mitteilung.

  49. [S01] Obsan. Gesundheitsbericht Appenzell Ausserrhoden 2021. Bericht 02/2021. SGB 2017

    Fundstelle: S. 49–50, G22–G24.

  50. [S02] Obsan Dossier 29. Gesundheitsreport Kanton Appenzell Ausserrhoden. 2014. SGB 2012

    Fundstelle: Tabelle 2.15, S. 36/PDF-S. 38; Tabelle 2.19, S. 42/PDF-S. 44.

  51. [E03] Camden. State of the Borough Report 2023

    Fundstelle: S. 59, Mieten 2020/21; S. 62, Überbelegung 2021.

  52. [E04] DWP. Children in low income families: local area statistics 2014 to 2021. 31.03.2022

    Fundstelle: 1_Relative_Local_Authority, Zeilen 194 und 266; FYE2021, vor Wohnkosten, vorläufige Veröffentlichung.

  53. [M036] Tynan R.J. et al. MATES in mining intervention. International Journal of Mental Health Systems. 2018;12:66. DOI 10.1186/s13033-018-0245-8 [beschreibender Kurztitel]

    Fundstelle: Methods; Results; Limitations.